Eine andere Welt unter der Oberfläche
Seit 2019 kartieren Forschungsteams das Gebiet um den Vulkan mit modernen Methoden, einschließlich Satellitenüberwachung. Forschungsboote und ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (sogenannte ROVs) ermöglichen es, mehr als 1 Kilometer unter der Meeresoberfläche genau hinzuschauen. Der Vulkan ragt 1.100 Meter über die abyssale Ebene auf, sein Gipfel liegt etwa 1.500 Meter tief. Ursprünglich als “dormant” eingestuft, zeigt der Vulkan jetzt sprudelnde Fontänen und warme, mineralreiche Ausflüsse, die geologische Merkmale eines eigenen kleinen Ökosystems der Tiefsee beherbergen.
Die Biologin Cherisse Du Preez und ihr Team stellten fest, dass diese hydrothermalen Aktivitäten die Umgebungstemperatur erhöhen. Das fördert dichte Ansammlungen von Kaltwasser-Korallen, Schwämmen und anderen Wirbellosen. Statt der erwarteten kargen Felslandschaft ähnelt der Vulkan eher einem versteckten Riff voller Farbe und Leben.
Wo die Riesen ihre Eier ablegen
Besonders auffällig sind die riesigen Eikapseln des Pazifischen Weißrochens (Bathyraja spinosissima), die in mittleren Tiefen in der Nähe des Gipfels gefunden wurden. Diese runden oder leicht ovalen Kapseln haben einen Durchmesser von etwa 50 cm und wurden auf Felsflächen in offenbar großer Zahl entdeckt. Schätzungen sprechen von Hunderttausenden bis über einer Million Eier, was den Fundort zu einem der wichtigsten bekannten Brutgebiete für den Pazifischen Weißrochen macht.
Die Eiablagen liegen oft rund um heiße Quellen und in leicht erwärmten Gesteinsspalten, begünstigt durch die vulkanische Wärme, die hier als natürlicher Inkubator wirkt. Die höheren Temperaturen beschleunigen den Stoffwechsel und könnten die geschätzte vierjährige Inkubationszeit der Eier verkürzen.
Schutzbedarf und nächste Forschungen
Der Fund wirft wichtige Fragen für den Schutz auf. Arten mit langsamer Fortpflanzung wie der Pazifische Weißrochen sind besonders verletzlich gegenüber Umweltveränderungen und Störungen. Aktivitäten wie Grundschleppnetzfischerei und Tiefseebergbau könnten die empfindlichen Eier zerstören oder die warmen Strömungen unterbrechen, die sie nötig haben. Deshalb werden besondere Schutzmaßnahmen, ähnlich Meeresschutzgebieten, dringend empfohlen, um diese Brutstätten zu erhalten.
Langzeitüberwachungen mit fest installierten Kameras und autonomen Fahrzeugen sind geplant, um die Entwicklung dieser Ökosysteme zu verfolgen. Außerdem sollen Forschungsfragen zur Konkurrenz zwischen Rochenarten um warme Stellen und zu den Folgen der Ozeanversauerung für diese Hotspots künftig geklärt werden.
Diese Entdeckung zeigt nicht nur die überraschenden Lebensbedingungen der Tiefsee, sie macht auch deutlich, welche Bedeutung Unterwasservulkane als lebenswichtige Ökosysteme haben. Es wird wichtig sein, diese Hotspots zu schützen und zu verstehen, wie sie sich an veränderte Meeresbedingungen anpassen, damit das Fortbestehen dieser faszinierenden Meeresbewohner gesichert bleibt.