So läuft die militärische Kooperation im Hohen Norden
Das Abkommen erlaubt den britischen Royal Marines, ganzjährig in Nordnorwegen zu operieren, statt nur für winterliche Einsätze. Das stärkt die Fähigkeiten der UK Commando Force im Norden deutlich.
Ein zentraler Baustein ist die Verknüpfung der britischen und norwegischen Marinen über eine austauschbare Flotte von mindestens 13 Typ-26-Fregatten, die in Großbritannien gebaut werden sollen. Diese Fregatten sollen wichtige Infrastrukturen wie Seekabel und Pipelines im Nordatlantik und der Barentssee schützen.
Großbritannien hat sich außerdem zu Programmen für unbemannte Minenräumung und Unterwasser-Kampfsysteme unter norwegischer Führung verpflichtet. Das im Jahr 2023 eröffnete Camp Viking in Øverbygd, 65 Kilometer südlich von Tromsø, wird als britischer Operations-Hub dienen und die Ausbildung der Royal Marines vor Ort ermöglichen. Mit diesen Schritten verankern sich die britischen Streitkräfte stärker im Hohen Norden und erhöhen ihre Einsatzbereitschaft.
Übungen und was sie bezwecken
Im kommenden Winter werden etwa 1.500 Angehörige über die Basis rotieren, begleitet von All-Terrain-Fahrzeugen und der Commando Helicopter Force. Trainiert wird entlang norwegischer Fjorde und in den Bergen, mit besonderem Fokus auf die Vorbereitung für die Übung Cold Response 2026 – Norwegens größtes Militärmanöver, bei dem über 20.000 bis 25.000 Teilnehmer aus mehr als zehn Nationen erwartet werden.
Oberstleutnant Chris Armstrong sagt, die UK Commando Force will ihre Einsatzbereitschaft zusammen mit Verbündeten im Hohen Norden steigern.
Wenn Klimawandel auf Verteidigung trifft
Der NOAA Arctic Report Card 2024 zeigt, dass die bodennahen Lufttemperaturen in der Arktis dreimal schneller steigen als der weltweite Durchschnitt (das Phänomen heißt arktische Verstärkung). Zwischen Ende 2024 und 2025 erlebte die Arktis das heißeste Jahr seit mindestens 125 Jahren der Aufzeichnungen.
Diese Veränderungen führen zu massivem Meereisverlust, zum Rückgang von Gletschern und zu mehr extremen Wetterereignissen. Militärische Aktivitäten in der Region haben ebenfalls Folgen: Forschung des Arctic Institute weist auf Bodenverdichtung, Vegetationsabtrag und Verschmutzung in Übungsgebieten hin. Lärm von Flugzeugen und Marineeinsätzen stört Tiere über und unter Wasser nachhaltig.
Gleichzeitig ermöglichen militärische Kapazitäten eine bessere Reaktion auf Ölverschmutzungen, Such- und Rettungseinsätze und Unfälle auf den immer stärker befahrenen Seewegen.
Umweltschutz und Folgen für die Gesellschaft
Norwegen führt strengere Umweltregeln ein, und die NATO sieht Umweltschutz als Teil ihrer Aufgaben an. Ziel ist, den ökologischen Fußabdruck der Streitkräfte zu verringern und die Energieeffizienz zu steigern. Indirekte Folgen wie der Anstieg des Meeresspiegels bedrohen entfernte Küstenhäuser und können durch veränderte Sturmmuster entfernte Infrastrukturen beschädigen.
Der Balanceakt zwischen militärischer Präsenz und Umweltschutz bleibt anspruchsvoll. Experten fordern, dass Sicherheitsplaner und Umweltbehörden mit dem raschen Wandel der Arktis Schritt halten. Es braucht Investitionen in sorgfältige Überwachung und strikte Umweltstandards, damit der Hohe Norden nicht doppelt belastet wird – erst durch klimatische Veränderungen und dann durch die Art seiner Verteidigung.
Die Royal Marines auf Ski und Schneeschuhen sind nicht nur ein Zeichen militärischer Anpassungsfähigkeit, sie stehen auch an der Frontlinie einer globalen Klimageschichte, die uns alle angeht.