Vor Ort: Wer will abbauen und welche Probleme es gibt
In der Region haben lokale Kooperativen ihr Interesse an einer Wiederaufnahme des Goldbergbaus bekundet. Sie sagen, das könne die stagnierende Wirtschaft der Gegend ankurbeln. Formal gibt es dafür bis jetzt jedoch keine Genehmigung, und die Mine wird weiterhin informell betreten.
Oft nutzen illegale Minenarbeiter diesen inoffiziellen Zutritt: sie schleichen sich nachts ins Gebiet, graben Schürfgräben und destabilisieren das Gelände. Das wirft ernste Sicherheitsfragen auf. Berichte wie der des Indian Defence Review dokumentieren die physische Verarmung des Ortes mit ausgewaschenen Hängen und giftigen Becken.
Umweltlage und rechtliche Hürden
Der Standort Serra Pelada ist deutlich von Umweltzerstörung gezeichnet. Es fehlt an Infrastruktur, um Gefahren einzudämmen, und an regelmäßiger Überwachung. Dadurch droht eine Kontamination der Umgebung, etwa durch Oberflächenabfluss und aufgewühlte Sedimente.
Rechtlich verlangt der überarbeitete brasilianische Bergbaukodex umfassende Schutzmaßnahmen, zum Beispiel die Verstärkung von Tailings-Dämmen (Rückhaltebecken für Bergbaurückstände) und die Beseitigung von Quecksilber. Gleichzeitig gilt die nationale Bergaufsicht als schwach, was die brasilianische Nationale Bergbauagentur (ANM) unter Druck setzt, ihre Inspektionsprotokolle zu verbessern. Zwischen 2018 und 2022 wurden in Brasilien 254 Tonnen Quecksilber verwendet, doch nur 68,7 Tonnen importiert. Dieses Ungleichgewicht deutet auf weit verbreitete unterirdische Beschaffung hin.
Internationale Abkommen und die lokalen Folgen
Im Jahr 2017 ratifizierte Brasilien das Minamata-Übereinkommen über Quecksilber (ein internationales Abkommen zur Reduzierung von Quecksilber), hat aber bis heute keinen konkreten Aktionsplan zur Reduzierung der Quecksilbernutzung vorgelegt. Das andauernde Versäumnis, Maßnahmen gegen Quecksilber durchzusetzen, stellt Fragen zur Politik im Umgang mit ehemaligen Bergbaubetrieben in Brasilien.
Eine Studie von 2025 zeigt außerdem, dass viele der 4.000 landesweit verlassene Minen ohne Nachsorge oder Überwachung bleiben. Forschungen von Veiga und Hinton machen deutlich, dass Quecksilber langfristig im Boden und Wasser verbleibt und die menschliche Gesundheit gefährden kann. Larissa Rodrigues, leitende Forscherin der Escolhas-Studie, fasste es so zusammen: „Brasilien muss sich verpflichten, Quecksilber vollständig zu eliminieren. Bis dahin sind strengste Kontrollen das Mindeste.“
Handel: Was das für den Markt heißt
Im Jahr 2022 exportierte Brasilien 96 Tonnen Gold. Hauptabnehmer waren Kanada, Indien, die Schweiz und das Vereinigte Königreich. Das Instituto Escolhas fand heraus, dass 54 % dieses Goldes vermutlich aus illegalen Quellen stammen könnten. Das bringt ein Reputationsrisiko für Brasilien mit sich und könnte strengere internationale Prüfungen nach sich ziehen.
Dieses komplexe Geflecht von Problemen zeigt, wie schwierig der Umgang Brasiliens mit seiner Bergbauvergangenheit ist. Solange über eine Wiedereröffnung von Serra Pelada diskutiert wird, bleibt die Notwendigkeit umfassender Reformen und Schutzmaßnahmen für Umwelt und Gesundheit der betroffenen Gemeinden bestehen. Ob Brasilien den Weg zu einem nachhaltigeren Bergbau finden wird, bleibt eine Frage von globalem Interesse.