Wie das Erwärmen wirklich läuft und wo die Gefahr liegt
In der Mikrowelle wird Flüssigkeit oft nicht gleichmäßig heiß. Die Oberfläche kann nur lauwarm wirken, während das Innere des Gefäßes fast kocht. Wasser siedet normalerweise bei 100 °C, in der Mikrowelle kann es jedoch über diesen Punkt hinaus erwärmt werden, ohne dass es sichtbar kocht. Dieser Effekt heißt Überhitzung (‚superheating‘) und kann dazu führen, dass das Wasser bei kleinster Erschütterung heftig aufkocht und plötzlich spritzt.
Sehr glatte Behälter, etwa aus Glas, haben kaum „Nukleationsstellen“ (kleine Unebenheiten, an denen Blasen leichter entstehen), was die Überhitzung noch begünstigt. Verdampft ein Liter Wasser vollständig, kann daraus ein Volumen von etwa 1.700 Litern Dampf entstehen. Selbst teilweise Verdampfung in kleinen Gefäßen kann schon zu einem gefährlichen Geysir-Effekt führen.
Worauf Eltern besonders achten sollten
Für Haushalte mit Kindern sind die „hot spots“ durch ungleichmäßige Erwärmung besonders problematisch. Das gilt vor allem für Milch und Babynahrung, die in der Mikrowelle erhitzt werden. Kinder haben selten die Geduld oder das Gefühl, Temperaturen zuverlässig einzuschätzen, deshalb ist die Verbrennungsgefahr hoch. Die Sicherheitsrichtlinien, die am 19. Dezember 2024 aktualisiert wurden, weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Mikrowelle für die Erwärmung von Babynahrung ungeeignet ist.
Außerdem verändert sich die Qualität der Milch, wenn sie in der Mikrowelle erhitzt wird. Proteine neigen zur Gerinnung, an der Oberfläche bildet sich eine Haut. Geschmack und Textur wirken „gekocht“ und weniger angenehm. Für Cappuccino schäumt die Milch schlechter und es können kleine Klümpchen entstehen.
Sicherere Alternativen zur Mikrowelle
Wer die Kontrolle behalten will, sollte Alternativen in Betracht ziehen. Ein elektrischer Wasserkocher oder das Erhitzen im kleinen Topf auf dem Herd erlaubt direkte Überwachung und Abschaltung bei der gewünschten Temperatur. Für Babynahrung sind warmes Leitungswasser oder das Erhitzen im Wasserbad (Bain‑Marie) sichere Optionen. Eltern sollten die Temperatur am besten mit ein paar Tropfen am Handrücken prüfen, um Verbrühungen zu vermeiden.
Wenn die Mikrowelle trotzdem für Instant‑Getränke genutzt wird, helfen drei einfache Regeln: Erhitze in kurzen Intervallen von 20–30 Sekunden, rühre zwischen den Intervallen gründlich um und prüfe die Temperatur vor dem Trinken sorgfältig.
Die Mikrowelle ist nicht per se schlecht — sie ist schnell und praktisch zum Erwärmen von Wasser. Für Milch und Babynahrung sind Methoden vorzuziehen, die bessere Kontrolle bieten, da Mikrowellen verlieren an Bedeutung. So lässt sich die Sicherheit erhöhen und unnötige Risiken vermeiden.