Warum Unterwasserarchäologie fasziniert
Geborgen wurden insgesamt über 900 Stücke, die aus den Trümmern zweier Schiffswracks stammen. Schiffswrack Nr. 1 lieferte allein über 900 Artefakte, während Schiffswrack Nr. 2 eine eindrucksvolle Ladung mit exotischen Hölzern, Hirschgeweihen und Muscheln enthielt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass noch über 10.000 Artefakte auf dem Meeresboden liegen könnten. Zu den gefundenen Objekten zählen:
- Porzellan
- Keramik
- Münzen
- exotische Hölzer
- Hirschgeweihe
- Meeresschneckenschalen
- weitere bedeutende Gegenstände
Besonders auffällig ist, dass das zweite Wrack vor allem natürliche Materialien wie exotische Hölzer und Hirschgeweihe an Bord hatte, vermutlich für traditionelle Medizin oder dekorative Zwecke.
Die Funde historisch einordnen
Die Objekte stammen aus der Zeit der Ming-Dynastie und lassen sich den Regierungszeiten der Kaiser Zhengde (1506–1521) und Hongzhi (1488–1505) zuordnen. Damit gehören sie ins frühe 16. Jahrhundert, eine Epoche mit intensiven maritimen Verbindungen. Beeindruckend ist, dass die Ladung der Schiffe mehr als fünf Jahrhunderte nahezu unbeschadet überdauert hat — ein Hinweis auf die außergewöhnliche Konservierung der Artefakte.
Wo die Wracks lagen
Die Wracks wurden im Jahr 2022 rund 93 Kilometer südöstlich der Insel Hainan entdeckt. Die beiden Fundstellen liegen 14 Kilometer auseinander. Diese Region des Südchinesischen Meeres spielte eine Schlüsselrolle im maritimen Handel und war mit dem Indischen Ozean und Südostasien vernetzt.
Welche Rolle die Schiffe spielten
Jedes Schiff hatte offenbar eine eigene Aufgabe im bidirektionalen Seehandel der Ming-Dynastie. Das erste Schiff transportierte hauptsächlich Porzellanexporte, das zweite war mit natürlichen Produkten beladen — ein Hinweis auf eine Rückkehrroute nach China. Diese Funde bestätigen den intensiven Austausch entlang der Maritimen Seidenstraße, die Ostasien mit dem Indischen Ozean und weiter verbunden hat.
Die Technik hinter der Bergung
Bei der Bergung kamen moderne Technologien und fachliches Know-how zusammen. Eingesetzt wurden bemannte und unbemannte Tauchfahrzeuge mit hochauflösenden Kameras und 3D-Laserscannern. Das Tauchschiff Shenhai Yongshi (übersetzt: “Krieger des Tiefen Meeres”) spielte eine zentrale Rolle bei der sicheren und dokumentarischen Hebung der Artefakte.
Bedeutung für Archäologie und Geschichte
Der Fund stellt die Vorstellung infrage, China habe sich ausschließlich auf seine Kontinentallandmassen konzentriert. Er zeigt, dass China früh in maritime Netzwerke integriert war, lange bevor Europa aufstieg. Die chinesischen Behörden bezeichneten den Fund als “eine Entdeckung von Weltklasse”. Menge und Erhaltungszustand der Artefakte liefern Historikern wertvolle Einblicke — sowohl ästhetisch als auch wissenschaftlich.
Die außergewöhnliche Entdeckung im Südchinesischen Meer erweitert nicht nur die Perspektiven der Unterwasserarchäologie, sondern verändert auch das Verständnis historischer maritimer Netzwerke Chinas. Dieses ehrgeizige Projekt unterstreicht Chinas Rolle in der Tiefsee-Exploration und hebt seine frühere globale Beteiligung in der Geschichte hervor.