So funktioniert der T‑Flight
Der T‑Flight kombiniert die klassische Magnetbahntechnologie (maglev) mit Niedrigvakuumröhren (also Röhren mit stark reduziertem Luftdruck). Ziel dieser Mischung ist, Reibung und Luftwiderstand nahezu vollständig auszuschalten, damit sehr hohe Geschwindigkeiten möglich werden. Angetrieben wird das Fahrzeug durch wechselnde Magnetfelder, erzeugt von Spulen entlang der Strecke.
Zwei Schwebeverfahren werden genutzt: die elektromagnetische Schwebeung (EMS), bei der Elektromagnete den Zug über den Schienen halten, und die elektrodynamische Schwebeung (EDS), bei der supraleitende Magnete am Zug mit Spulen in der Strecke interagieren, um den Zug anzuheben. Erste Tests unter Vakuumbedingungen liefen gut und zeigten, dass Höchstgeschwindigkeit und Schwebehöhe mit den geplanten Werten übereinstimmen.
Im Februar 2024 wurde auf einer 2 km langen Teststrecke ein Rekord von 623 km/h gemessen. Im Oktober desselben Jahres gelang ein weiterer Meilenstein: der Betrieb unter Niedrigvakuumbedingungen. In einer zweiten Testphase plant das Projekt 1.000 km/h auf einer 60 km langen Strecke. Es gibt sogar Spekulationen über eine dritte Phase mit bis zu 4.000 km/h — fast dreifache Schallgeschwindigkeit.
Die Vision: Megastädte verbinden
Kernziel des T‑Flight ist, Chinas Megastädte besser zu verknüpfen, vor allem Peking und Shanghai. Die Entfernung liegt bei rund 1.095 km; mit dem heutigen Hochgeschwindigkeitsnetz braucht man dafür etwa sechs Stunden. Mit dem T‑Flight könnte die Fahrtzeit auf nur “anderthalb Stunden” schrumpfen.
Zum Vergleich: Der derzeit schnellste experimentelle Maglev‑Zug ist die japanische L0 Series, die ab 2027 in Betrieb gehen soll und einen Rekord von 602 km/h hält. Den bisherigen Rekord hat der T‑Flight damit bereits übertroffen. Der schnellste im regulären Betrieb fahrende Zug ist aktuell der Shanghai Maglev mit einer Höchstgeschwindigkeit von 431 km/h.
Mark Smith, Gründer der Website Seat61.com, bleibt zwar skeptisch, was die praktische Umsetzung so ehrgeiziger Projekte angeht, und sagt: „Ich glaube es erst, wenn ich es sehe.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass China die Ressourcen und den Einfluss hat, so ein Projekt durchzuziehen, ohne sich übermäßig an Kosten‑Nutzen‑Analysen zu binden.
Probleme und Kritik
Die Umsetzung dieser Technologie bringt große logistische und ökonomische Herausforderungen mit sich. Lange, gerade Niedrigvakuumröhren sind technisch anspruchsvoll und teuer in Bau und Unterhalt. Sicherheitsfragen bleiben offen: Was passiert bei einem Druckverlust in der Röhre bei Extremgeschwindigkeit? Welche Kräfte wirken auf die Passagiere, und sind die Menschen diesen Kräften gewachsen?
Auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit wird von Experten infrage gestellt — selbst für ein Land mit großen Ressourcen wie China. Andrés de León, CEO von HyperloopTT, sieht Chinas Fortschritte dennoch als Beweis dafür, dass die Hyperloop‑Idee nicht länger nur ein ferner Traum ist, sondern sich deutlich nähert.
Der Wettlauf um die Zukunft des Personenverkehrs läuft auf Hochtouren, und China mischt ganz vorne mit. Ob der T‑Flight‑Prototyp irgendwann für eine neue Ära im Verkehr stehen wird — geprägt von Geschwindigkeit und Effizienz —, wird die nächsten Jahre zeigen. Bis dahin bleibt offen, ob der Plan Realität wird oder als technisch ambitioniertes Projekt in die Geschichte eingeht.