Wo und wie die Orcas angreifen
In mehreren Regionen des Nordatlantiks wurden solche Angriffe beobachtet, darunter die Klippen von Galicien, die kühlen Gewässer vor Schottland, die Straße von Gibraltar und die portugiesische Küste. Betroffen sind vor allem Frachtschiffe, Segelyachten, Fischtrawler und Forschungsschiffe.
Die Tiere tauchen meist am Heck eines Schiffs auf. Oft schließen sich dann zwei weitere Orcas an, und sie konzentrieren sich gemeinsam aufs Ruder. Dabei schlagen sie wiederholt zu und koordinieren ihr Vorgehen, manchmal über eine Stunde lang.
Ein besonders eindrücklicher Fall passierte vor der portugiesischen Küste: Ein 120 Meter langes Frachtschiff musste seine Geschwindigkeit drosseln, weil das Ruder blockierte. Drei Orcas hatten sich abwechselnd dem Ruder gewidmet, sodass schließlich Begleitschlepper (Schlepper) gerufen werden mussten, um das Schiff sicher in den Hafen zu bringen.
So reagieren Leute und Forscher
Die Reaktionen sind unterschiedlich. Einige Besatzungsmitglieder berichten von Angst und Ohnmacht. Ein erfahrener Kapitän verglich die erste Begegnung mit einer Offshore-Windfarm (Offshore-Windpark), und eine junge Kadettin sagte, die Angriffe hätten sie an ihrer Berufswahl zweifeln lassen. Ein Forscher fasste es so zusammen: „Wir betrachten hier keine zufällige Aggression. Wir betrachten ein hochentwickeltes Tier, das ein neues Verhalten in sozialen Gruppen erforscht und verstärkt.“
Bei den Ursachen herrscht unter Wissenschaftlern Diskussion. Eine Theorie geht davon aus, dass Orcas auf negative Erfahrungen wie Kollisionen mit Schiffen reagieren. Eine andere deutet das Verhalten als spielerisch. Unabhängig davon scheint sich das Verhalten innerhalb von Orca-Gruppen über sogenannte „Verhaltens‑Traditionen“ zu verbreiten, was auf kulturelles Lernen hindeutet.
Folgen und wie man sich wehrt
Die gestörten Begegnungen haben konkrete Folgen für die Schifffahrt. Kapitäne tragen inzwischen Orca-Risikozonen in Seekarten ein und verlegen Routen weiter aufs offene Meer. Praktische Vorgehensweisen umfassen das Drosseln der Geschwindigkeit, das Halten konstanter Motordrehzahlen und das Vermeiden plötzlicher Kurswechsel. Als experimentelle Gegenmaßnahme wird auch diskutiert, Musik über Unterwasserlautsprecher abzuspielen, um die Tiere abzuschrecken.
Die dichte Nutzung der Nordatlantik-Routen und der Druck auf die Fischgründe verlangen schnelle Anpassungen. Offene Fragen wie „Wie viel Risiko ist akzeptabel?“ und „Welche Daten sollten geteilt werden?“ sind wichtig für künftige Strategien. Besatzungen tauschen inzwischen Erfahrungen und Beobachtungen über moderne Kommunikationskanäle, etwa WhatsApp‑Gruppen, um besser vorbereitet zu sein.
Die Entwicklung zeigt, wie komplex das Verhältnis zwischen menschlichen Aktivitäten und marinen Ökosystemen ist. Nur mit besserem Verständnis und Anpassung auf beiden Seiten lassen sich Konflikte vielleicht entschärfen und gleichzeitig sichere Navigationsbedingungen schaffen.